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„One day, baby, we’ll be old“ – Unsere neue Produktion geht auf Tour!

Erinnern Sie sich noch an die Geschichte vom kleinen König, der meinte, dass alles anders werden müsse, damit es so bleiben kann?

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Wir hatten Ihnen diese Geschichte im August 2014 erzählt (Sie können sie weiter unten immer noch finden…) und waren überrascht, erfreut und manchmal auch sehr gerührt über die vielen Reaktionen, die sie hervorgerufen hat. Einige Leserinnen und Leser fragten besorgt nach, ob wir ganz aufhören wollen, ganz viele aber haben die Geschichte auch verstanden als eine Parabel, dass einem die eigenen Erfolge über den Kopf wachsen, dass sie einen zum Getriebenen machen können.

Das poco*mania-Ensemble, allen voran wir im Regie-Team, hat im Verlauf der Arbeit an unserer neuen Produktion viel darüber nachgedacht, wie wir das Gefühl des Getrieben-Seins wieder los werden können. 

Was dabei herausgekommen ist, ist sicher nicht so radikal, wie es uns der König in der kleinen Geschichte vorgemacht hat, aber für uns  – und für alle, die uns als Wanderbühne kennen – ist es dennoch ein deutlicher Neuanfang:

  1. Wir werden unsere diesjährige Produktion – das erste Mal seit 2007 – auf keinem landesweiten oder gar nationalen Festival zeigen. (Das muss und soll in Zukunft nicht so bleiben, gibt uns aber zumindest in dieser Spielzeit das wohltuende Gefühl einer Verschnaufpause. Und was die Zukunft bringt, wird sich zeigen…)
  2. Wir haben – nicht zuletzt angesichts der Kürze des Schuljahres – die Anzahl der Aufführungen auf insgesamt acht beschränkt.
  3. Wir haben den technischen Aufwand bei unserer neuen Produktion gering gehalten und wollen dies auch in Zukunft so halten. Das bedeutet erstens, dass wir uns eher weg vom technischen Trick, hin zu mehr theatralem Spiel bewegen wollen (was uns im Übrigen in unserer aktuellen Produktion schon recht gut gelungen ist, wie wir finden.) Das bedeutet zweitens, dass wir unsere Produktionen nicht mehr wie in der Vergangenheit an fremden Schulen zeigen wollen, weil die Spielbedingungen jeweils zu unterschiedlich sind und den Anpassungsaufwand unverhältnismäßig hoch machen. Und das bedeutet drittens, dass wir statt dessen an geeigneten Spielorten an zwei auf einander folgenden Abenden auftreten werden, damit auch alle das Stück sehen können, die es sehen wollen..
  4. „One day, baby, we’ll be old“ wird – wie wahrscheinlich auch alle zukünftigen Produktionen – vor den Sommerferien das letzte Mal gespielt worden sein. Die Aufführungstermine nach den Ferien haben in der Vergangenheit einen großen Organisationsaufwand bedeutet und z. T. dafür gesorgt, dass die Arbeit an der neuen Produktion teilweise erst im Oktober/November beginnen konnte (was nicht zuletzt für eine Menge zusätzlichen Zeitdruck gesorgt hat.)

Noch Luft?

Es gibt noch mehr Veränderungen, über die es zu berichten gilt: Miriam Poppke, die seit 2012 hoch engagiert, kreativ und zunehmend selbständig in der Regie mitgearbeitet hat, wird poco*mania verlassen müssen, weil sie in Hamburg ihren Traumjob angeboten bekommen hat. Wir sind alle sehr traurig, denn sie ist einfach unersetzlich. Gleichzeitig freuen wir uns riesig mit ihr und wünschen ihr alles, alles Glück der Welt in dieser wirklich phantastischen Stadt.

Miriam wird zwar weiterhin eng mit der Gruppe verbunden sein, doch hilft alles nichts: ich werde mir eine neue Regieassistenz suchen müssen, und das wird nicht leicht, denn Miriam ist Miriam ist Miriam…

(Vielleicht liest das hier ja jemand, der Interesse hat. In diesem Fall würde ich mich sehr freuen, wenn er oder sie sich bei mir meldet.)

Aber jetzt heißt es zunächst einmal:

Danke Miriam!

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So, und nun ist es an der Zeit, einmal auf unser neues Stück zu sprechen zu kommen. Es heißt „One day, baby, we’ll be old“ und ist eine sehr skurrile Verarbeitung des Dramas „König Lear“ von William Shakespeare.

Neugierig geworden? Alles Weitere finden Sie oben…

Viel Spaß! Wir sehen uns im Theater!

Ihr

Axel Mertens

 

poco*mania beim BINA MIRA-Festival in Aachen

Von  Samstag, den 20. September bis Freitag, den 26. September 2014 waren wir in Aachen und führten unsere diesjährige Eigenproduktion „als wär’s ein Stück von mir“ ein letztes Mal auf.

Der Rahmen für diesen letzten Auftritt war wundervoll. Wir spielten im Aachener Stadttheater im Rahmen der Eröffnung von „Bina Mira“ (Bühne des Friedens), der 6. Begegnung europäischer Jugendlicher im Friedenstheaterspiel unter der Schirmherrschaft von Martin Schulz, Präsident des Europaparlaments.

Dieses vom Aachener Netzwerk für humanitäre Hilfe und interkulturelle Friedensarbeit e. V. organisierte Festival, an dem wir nun schon zum dritten Mal teilgenommen haben, bot wieder Raum für schöne Begegnungen zwischen den über 100 Jugendlichen aus Bosnien, Deutschland, Serbien und Frankreich.

Ein stimmiger und rundum schöner Abschluss unserer „als wär’s ein Stück von mir…“-Tour.

Wir sagen Danke an alle Organisatoren, die mit unglaublichem Engagement zum tollen Gelingen dieser wichtigen europäischen Begegnung beigetragen haben.

poco*mania gewinnt den Young.Europe.Award 2014-Förderpreis

In einer feierlichen Preisverleihung ist unserer Theatergruppe am 19. September 2014 in Bergisch-Gladbach der JUGEND.KULTUR.PREIS NRW in der Kategorie „Young.Europe.Award 2014“ in Anwesenheit von Jugendstaatssekretär Bernd Neuendorf verliehen worden.
An diesem Tag fand in der dortigen Stadthalle das SEE YOU-Festival statt, der Höhepunkt eines Wettbewerbs, der alle zwei Jahre durch die Landesarbeitsgemeinschaft Kulturpädogische Dienste/Jugendkunstschulen NRW e. V., die Landesvereinigung Kulturelle Jugendarbeit Nordrhein-Westfalen e. V. und das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen ausgerichtet wird.
Wir haben erst im Rahmen dieser Veranstaltung erfahren, das wir aus über 160 teilnehmenden Gruppen für einen der begehrten Förderpreise ausgewählt worden sind. Dementsprechend waren wir sicherlich mindestens genauso überrascht wie erfreut, als ein beispielhaftes Projekt der Kinder- und Jugendkulturarbeit in Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet zu werden.
Zeit, unseren Erfolg ausgiebig zu feiern, hatten wir allerdings nicht, denn am nächsten Tag ging es schon in aller Frühe zum „Bina Mira“-Festival nach Aachen…
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poco*mania kommt nach Rüsselsheim und Aachen im September

„als wär’s ein Stück von mir…“, unsere diesjährige Eigenproduktion anlässlich der 100-jährigen Wiederkehr des Beginns des Ersten Weltkriegs, geht in den Endspurt….

Und wir laden Sie ganz herzlich ein, mit dabei zu sein.

Sehen Sie „als wär’s ein Stück von mir…“ am Freitag, den 12. September 2014, um 18:00 Uhr im Großen Haus des Theaters Rüsselsheim oder am Sonntag, den 21. September 2014, um 19:30 Uhr in der Kammer des Stadttheaters Aachen. Für genauere Informationen zum Spielort und zu Kartenreservierungsmöglichkeiten schauen Sie bitte oben unter „wann & wo“ nach.

Wir freuen uns sehr auf Sie!!!

1999 – 2014: Ein Zwischenruf nach 15 Jahren Schultheater

Zwischen der ersten Produktion im Rahmen eines Literaturkurses an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule und heute liegen 15 Jahre: fünzehn Jahre voller Anstrengungen, aber auch unglaublich schönen Momenten.

Nun – nach 15 Jahren – ist es Zeit für eine kleine Verschnaufpause und für ein paar Gedanken darüber, wie es wohl weitergehen könnte, die nächsten 15 Jahre …

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Alles muss anders werden, damit es so bleiben kann… –

Eine kleine Geschichte zum Selberdenken

Von Axel Mertens

 

Es war einmal ein ganz, ganz kleiner König. Der war so klein, dass er nie irgendjemandem aufgefallen wäre. Und auch sein Königreich war ganz, ganz klein.

Und dieser ganz, ganz kleine König wurde eines Morgens wach und wusste plötzlich, dass sich etwas ändern musste.

Er tastete nach seiner Brille, die irgendwo auf dem Nachttisch lag. Dann griff er nach seiner Krone, die er wie immer vor dem Einschlafen an einen der Bettpfosten gehängt hatte.

Er setzte sich seine Krone auf den Kopf und wurde gleich wieder daran erinnert, dass sie ihm eigentlich zu groß war. Die kleinste Bewegung reichte schon und sie rutschte ihm über die Nase herunter und er konnte nichts mehr sehen.

Eigentlich hielt die Krone nur, wenn er sie leicht schräg auf dem Kopf hatte und den Kopf möglichst den ganzen Tag still hielt. König sein war dann schon blöd, denn er hätte manchmal so gern den Vögeln hinterhergesehen oder wäre am liebsten die Muster der Fliesen in seinem Thronsaal entlang gehüpft, wenn gerade mal keiner zuschaute.

Das ging aber alles nicht.

Seine Untertanen hielten seinen Gang für würdevoll. Im besten Fall. Einige meinten aber auch, der König halte sich für was Besseres, weil er kaum den Kopf bewegte, wenn er jemanden begrüßte.

Lange Zeit hatte das den König sehr traurig gemacht. Mittlerweile aber hatte er sich daran gewöhnt. Und seine Untertanen auch….

Er nahm also seine Krone, setzte sie sich vorsichtig auf den Kopf und suchte mit seinen Füßen nach seinen Pantoffeln, die er wohl irgendwo unter seinem Bett abgestellt hatte. Und wie jeden Morgen nahm er sich vor, das in Zukunft umgekehrt zu machen.

Nachdem er also endlich seine Pantoffeln gefunden hatte, stand er auf und zog sich seinen Lieblingsbademantel an, den purpurroten mit der gestickten Krone in Gold!

„Es muss anders werden“, dachte er und schlurfte, vorsichtig seine Krone auf dem Kopf balancierend, zur Schlafzimmertür und hinaus – durch die Gänge seines Palastes hin zu seinem Turm.

Der war lange Zeit sein Lieblingsplatz gewesen. Er hatte stundenlang an seinem Schreibtisch gesessen und Pläne gemacht, wie der Turm aussehen sollte und beim Bau des Turms hatte er auch viel Spaß, denn der Turm wurde wirklich genauso schön wie er ihn sich immer vorgestellt hatte.

Als er vor der Tür zum Treppenhaus seines Turmes stand, atmete er tief ein. „Nichts ist mehr wie es war“, grummelte er vor sich hin und öffnete die schwere Tür. Vor ihm lag eine Wendeltreppe, die weit oben irgendwo im Dunkeln zu enden schien.

Der König holte noch einmal tief Luft und begann, die Wendeltreppe emporzusteigen.

Oben angekommen schlug ihm das Herz bis zum Hals, so sehr, dass die Krone auf seinem Kopf mit jedem Herzschlag auf- und abzuhüpfen schien.

Er öffnete die Tür zur Plattform, trat hinaus und ging hinüber zu den Zinnen.

Er schaute sich um.

Von hier aus konnte er sein gesamtes Reich sehen, selbst bei schlechtem Wetter. Das war auch nicht schwer, denn sein Reich war nicht besonders groß. Eigentlich nicht der Rede wert. Um ehrlich zu sein; es war so klein, dass er von seinem Turm aus schon die Türme der anderen kleinen Könige sehen konnte und auf den Türmen sogar die anderen kleinen Könige mit ihren purpurroten Bademänteln und ihren schiefsitzenden Kronen.

Zwischen den Königen ging es seit einigen Jahren immer darum, wer gerade den höchsten Turm hatte. Und so stiegen alle kleinen Könige jeden Morgen ihre immer höher werdenden Türme hoch, um nachzuschauen, ob in der Nacht vielleicht irgendein anderer Turm höher geworden sein könnte als der eigene.

Nun ja, und wenn man dann schon so da oben rumsteht, dann konnte man sich auch grüßen. Und so winkten sich die kleinen Könige zu – jeden Morgen.

Und als sich der kleine König so winkend langsam im Kreis drehte – wobei ihm zweimal fast die Krone abgerutscht wäre – spürte er es wieder: das konnte so nicht weitergehen.

Irgendwann würden die Türme einfach zu hoch und umkippen. Oder die Steine würden ausgehen. Oder die Könige würden sich nicht mehr zuwinken, weil alle nur noch verbissen darauf achten, dass ihr Turm der höchste ist. Oder irgendeiner von ihnen würde darüber wahnsinnig und glauben, der eigene Turm sei der höchste, auch wenn er schon seit Längerem beim Zuwinken den Kopf in den Nacken legen musste, um hochzuschauen zu den anderen Königen. Dauernd würde ihm die Krone vom Kopf fallen und die anderen Könige würden sich peinlich berührt anschauen von ihren Türmen und mit dem Kopf schütteln. Und was würde erst geschehen, wenn ein König behaupten würde, sein Turm wäre längst der größte, wenn die anderen Könige ihn nicht immer behindert hätten?

Der ganz, ganz kleine König seufzte tief.

Doch plötzlich wusste er ganz genau, was zu tun war.

Er holte tief Luft und kletterte auf die Mauerbrüstung. Seine Knie wurden ganz weich wie er so da oben stand und er musste sich an den Zinnen rechts und links festhalten. Irgendwann aber hatte er sich beruhigt, sein Atem ging leichter… Da ließ er die Zinnen los, ruderte kurz mit den Armen, beugte sich nach vorne und – sprang!

Die ganzen anderen kleinen Könige auf ihren Türmen hatten ihn beobachtet und hielten vor Aufregung den Atem an.

Sie konnten es nicht glauben, was sie da sahen.

Der König zog sich im freien Fall seinen purpurroten Bademantel aus, hielt ihn an den Ärmeln über sich, segelte wie an einem Fallschirm herab und landete sanft im Gras vor seinem Turm – na ja, fast … Die blöde Krone war ihm wieder vor die Augen gerutscht.

Er nahm sie ab, legte sie zärtlich vor sich auf den Boden, zog sich seinen Bademantel wieder an und spazierte davon.

Kurz bevor er am Horizont hinter einer Hügelkette verschwand, sah man, wie er stehenblieb, den Kopf in den Nacken legte und den Vögeln hinterher sah.

Einige behaupteten später, sie hätten gesehen, dass er beim Gehen sogar hier und da mal hüpfte…

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